Anwendungsbereich: Lebenspraxis

 

   Die vier Fragen die der deutsche Philosoph Emanuel Kant sich stellte, sind meiner Lebenserfahrung nach bis heute aktuell geblieben und können, wenn sie sich als Frage im Leben auftun von existentieller Radikalität sein.  Die vier schlichten Fragen sind:

 

1.    Was kann ich erkennen?
2.    Was soll ich tun?
3.    Was darf ich hoffen?
4.    Was ist der Mensch?

 

1.    Was kann ich erkennen? 

 

   Gerade auch heute, wo wir scheinbar alles Wissen dieser Welt durch das Internet zur Verfügung haben, ist es wichtiger denn je den eigenen kritischen Blick, das eigene kritische Fragen und Hinterfragen von Erkenntnis, nicht zu verlieren.  Das eigene Erkennen und die Grundlagen des eigenen Erkennen und Verkennens gilt es, verstehen zu lernen.
 
   Mit Hannah Arendt möchte ich sagen: „Wahrheit gibt es nur zu zweien“. Auch das Erkennen ist auf ein Gespräch, einen Austausch angewiesen, um letztlich zum eigenen Erkennen zu werden im inneren Zwiegespräch mit der eigenen Weisheit und dem eigenen Gewissen. Wir dürfen unsere eigene Urteilskraft nicht abgeben, sondern sie pflegen und auch schützen vor manipulativen Zugriffen.

 

2.    Was soll ich tun? 

 

   Aus dem Erkennen, dem Verstehen zum Beispiel dessen, was mir persönlich wichtig ist -  den eigenen Werten -  kann ein Handlungsimpuls entspringen. Die Frage: „Was soll ich tun?“, stellt sich ja gerade dann, wenn es nicht so eindeutig ist. Wie komme ich zu einen Entschluss? Welche Argumente führen mich dorthin? Erst im inneren Dialog – und äußeren Dialog, in einem Prozess, in dem ich meiner eigenen Weisheit zuhöre kann sich ein weiterer Horizont für einen Entschluss auftun, der nicht auf der bloßen Auflistung von pro und contra beruht.  Erst durch das weitherzige Denken, die mitfühlende Weisheit kann eine gute Entscheidung für sich und auch eine Gemeinschaft getroffen werden. Es kann ein vordergründig , rationales Abwegen „vernünftig“ erscheinen und sich doch philosophisch gesehen, als fataler Irrtum entpuppen.

 


3.    Was darf ich hoffen:
 


   Worauf hoffe ich in meinem Leben? Worauf hoffe ich für meine Familie, meine Freunde, die Gesellschaft und die Welt in der ich leben? Was ist die Richtung meiner Hoffnung? Worauf richtet sich meine Hoffnung? Was ist die Ausrichtung in meinem Leben?  Meine Ausrichtung prägt auch das Hier und Jetzt. Der Philosoph Seneca schreibt, „Glückselig leben will jedermann, lieber Bruder Gallio; aber was zu einem glückseligen Leben gehöre, das ist den meisten unklar oder verborgen.“ ( Vom glückseligen Leben, S64)


 
4.    Was ist der Mensch?
 


   Mein Philosophie Professor in Wien Karl Wucherer fragte immer: WER ist der Mensch? Für Aristoteles ist der Mensch das politische Wesen, das „zoon politikon“. Was wir auch sind. Wir leben in Beziehungen privaten wie auch öffentlichen. Doch sind unsere Beziehungen von Weisheit, von Mitgefühl geprägt?  Bleiben wir dem Namen Homo sapiens sapientis nicht immer noch etwas ausständig? Wer ist der Mensch, dass wir zu so viel fähig sind, wie einer Mozartsymphonie wie auch dem Terror des Mordens in Ausschwitz. Warum konnte uns alle Weisheit davor nicht bewahren?
 
   Hannah Arendt diagnostiziert, dass gerade das Problem des „radikal Bösen“ es ist, dass es nicht denkt. Es kann sich nicht vorstellen, wie es in einem anderen Menschen zugeht, der Blick vom Anderen aus ist nicht möglich. (Macht und Gewalt) Insofern steht das Denken im Horizont der Menschlichkeit und wo diese fehlt, fehlt es an Denken und fehlt es an der Liebe zur Weisheit, an der Philosophie. Der Ort der Philosophie ist das lebendige Gespräch. (Karl Jaspers, Einführung, 21ff.).

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